verbinder - Ausgabe 38

Azubis: Von der Schul- an die Werkbank

Je näher die Abschlussprüfungen rücken, auf die man als Schüler all die Jahre hingearbeitet hat, desto näher kommt auch der Schritt ins Berufsleben.

von Patrick Heckler

Jeder von uns befand sich einmal in dieser aufregenden Situation: Der Schritt vom Schul- in den Berufsalltagist ein Meilenstein im Leben eines jungen Erwachsenen. Seit Mitte der 1960er-Jahre gingen diesen besonderen Schritt 146 junge Menschen mit binder als Partner an ihrer Seite. Unsere aktuellen Azubis schildern im Folgenden, wie sie sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden und was sich in ihrem Leben verändert hat.

Umstellung

Nach der Zeugnisvergabe, der letzten offiziellen Schulveranstaltung, steht die Gefühlswelt zunächst Kopf. Auf der einen Seite ist da die Lust, ein neues Abenteuer zu starten, auf der anderen Seite das Bewusstsein, Schulfreunde und Kameraden zukünftig nicht mehr so häufig zu sehen. Die langen, freien Nachmittage zu Hause, an denen man entspannen, sich von einem mehr oder weniger anstrengenden Schulvormittag ausruhen und erholen konnte, sind passé. Ist der erste Ausbildungstag dann gekommen, öffnet sich plötzlich eine ganz andere Welt: Viele neue Kollegen, unbekannte Räumlichkeiten – ein komplett neues Umfeld eben. Die vielen Eindrücke müssen erst einmal verarbeitet werden. „Ausreichend Unterstützung“ erfährt Valentin Kolb, der eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik bestreitet, vom ersten Tag an. Das soziale und kollegiale Umfeld helfen ihm beim Einstieg besonders. Die körperliche Belastung durch längeres Stehen, viel Laufarbeit oder „Schleppen“, vor allem für Auszubildende in technischen Berufen, sorgt zu Beginn – genauso wie die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden – für eine frühe Bettruhe. „Man gewöhnt sich an alles“, lautet dazu das Resümee von Victor Neuner, der eine Ausbildung zum technischen Produktdesigner absolviert. Ein verändertes Zeitmanagement und mehr Verantwortung sind zentrale Punkte, die einen beim Schritt in das „Erwachsenwerden“ begleiten.

„Man bekommt viel Unterstützung und erlernt viele Dinge, die einem auch im späteren Berufsleben enorm weiterhelfen.“

-- Kea-Joy Stadtmüller, Auszubildende zur Fachkraft für Lagerlogistik

Starker Partner

Umso wichtiger ist es, auf dem neuen Weg nicht allein gelassen, sondern unterstützt zu werden. Eine Art Navigationsgerät, welches den Weg weist und dafür sorgt, dass man sicher am Ziel ankommt. Dass binder

diese Qualitäten hat, bejahen alle Azubis ausnahmslos. „Man bekommt viel Unterstützung und erlernt viele

Dinge, die einem auch im späteren Berufsleben enorm weiterhelfen“, führt Kea-Joy Stadtmüller, Auszubildende zur Fachkraft für Lagerlogistik, auf. Eine positive Eigenschaft seiner Arbeit hebt Oliver Klotz, Auszubildender zum Werkzeugmechaniker, hervor: „Ein Werkstück von Grund auf selbst herzustellen, das gibt einem ein sehr gutes Gefühl und macht mich persönlich auch sehr stolz.“ Vor allem gebraucht zu werden und einen Teil von binder darzustellen, erleichtern den Gang zur Arbeit. Die Wertschätzung und Hilfsbereitschaft der Kollegen sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Außerdem ist es von großer Bedeutung für die Azubis, Verantwortung zu übernehmen. „Ich finde die Wertschätzung der Kollegen toll, sie nehmen sich immer viel Zeit dafür, einem alles verständlich zu erklären“, sagt Vincent Volz, Auszubildender zum Industriekaufmann. „Freundliche Kollegen“ und „selbstständiges Arbeiten“ gefallen Maria Gerbatsch, Auszubildende zur Fachinformatikerin, an ihrer Arbeit besonders gut. Aussagen, die positiv stimmen, dass das Ende des Weges in der vorausgesagten Zeit und vor allem „unfallfrei“ erreicht wird.

„Ein Werkstück von Grund auf selbst herzustellen, das gibt einem ein sehr gutes Gefühl und macht mich persönlich auch sehr stolz.“

-- Oliver Klotz, Auszubildender zum Werkzeugmechaniker

Vorzüge

Gefallen gefunden haben die Azubis vor allem am Azubi-Raum, der sich seit 2015 im Werk 2 befindet. Genutzt wird er, um Berichte für den Ausbildungsnachweis zu verfassen sowie zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten in der Berufsschule. An zwei PCs bietet sich außerdem die Möglichkeit, Referate vorzubereiten

oder Handouts zu erstellen. Auch die Tatsache, dass sich eine Kantine im Hause befindet, wird positiv betrachtet. Verschiedene Projekte der Azubis lassen auch den Kontakt untereinander aufleben und dienen zur

Stärkung der Gruppe. Der Azubi-Ausflug im vergangenen Oktober oder die Teilnahme an der „Nacht der Ausbildung“ sind hierbei als Highlights zu nennen. Doch den absoluten Benefit sehen die Azubis darin, dass sie am Ende des Monats ihren wohl verdienten Lohn bekommen. Dies führen sie als größten Unterschied zur Schule auf.

„Ich finde die Wertschätzung der Kollegen toll, sie nehmen sich immer viel Zeit dafür, einem alles verständlich zu erklären.“

-- Vincent Volz, Auszubildender zum Industriekaufmann

Freizeit

Davon bleibt nach Feierabend zwar nicht mehr so viel übrig wie früher, dafür genießt man die schönen Momente nun umso intensiver. Götz Nußbaum, Auszubildender zur Fachkraft für Lagerlogistik, nutzt beispielsweise gerne die Natur, um abzuschalten. Schwimmen und Tennisspielen begeistern Moritz Rössler, Auszubildender zum Industriekaufmann, nach einem anstrengenden Arbeitstag. Während Israel Ereme, dualer Student im Bereich Mechatronik, gerne Klavier spielt oder in der Leichtathletik seinen Ausgleich findet, dreht sich in Philipp Schwabes Freizeit vieles um RC Modellbau. Man sieht: Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit stehen die binder Azubis auf Action.